„Der Support hält bestimmt. Dieser Docht da: klares Kaufsignal. Die drei Gegenargumente? Ach, das ist nur Rauschen."
1 · Was ist das überhaupt?
Confirmation Bias (Bestätigungsfehler) ist die Neigung, Informationen so auszuwählen und zu gewichten, dass sie die eigene Meinung stützen. Im Trading schnappt er in dem Moment zu, in dem du eine Position hast (oder auch nur eine Meinung): Ab da liest du den Chart nicht mehr, du verteidigst ihn. Dieselben Kerzen, die dich vor dem Einstieg skeptisch gemacht hätten, werden danach zu „Bestätigung".
2 · Warum gibt es das?
Dein Gehirn hasst Widerspruch. Die Forschung nennt das kognitive Dissonanz. Eine offene Position und die Information „du liegst falsch" gleichzeitig im Kopf zu halten, kostet Energie und tut weh. Der billigste Ausweg: die störende Information abwerten. Das passiert nicht bewusst: Es ist ein Filter vor der Wahrnehmung. Der Hijack in seiner leisesten Form: Das Emotions-Gehirn hat längst entschieden, der Pilot darf nur noch die Begründung liefern.
3 · Was hat die Forschung gemessen?
Der Bestätigungsfehler gehört zu den am besten belegten Befunden der Psychologie. Peter Wason hat ihn 1960 mit einer einfachen Zahlenaufgabe gezeigt: Seine Versuchspersonen suchten fast nur nach Beispielen, die ihre Vermutung bestätigten. Nach einem Gegenbeispiel suchte kaum jemand.
Dieselben Fakten, entgegengesetzte Schlüsse. Charles Lord, Lee Ross und Mark Lepper haben 1979 Befürwortern und Gegnern der Todesstrafe dieselben zwei Studien vorgelegt, eine dafür und eine dagegen. Beide Gruppen fanden die Studie überzeugend, die ihre Meinung stützte, und zerpflückten die andere. Am Ende waren beide Seiten von ihrer Meinung überzeugter als vorher. Ein Markt liefert fast immer gemischte Signale. Wer long ist, findet darin genug Gründe, long zu bleiben.
Anleger lesen, was ihnen recht gibt. JaeHong Park und Kollegen haben 2013 in Information Systems Research einen Feldversuch bei einem der größten Börsenforen Südkoreas ausgewertet, mit 502 Anlegern. Die Anleger klickten bevorzugt auf Beiträge, die ihre eigene Einschätzung einer Aktie bestätigten. Je stärker diese Neigung war, desto selbstsicherer wurden sie, desto häufiger handelten sie und desto höher schätzten sie ihre künftigen Gewinne ein.
4 · Was heißt das für dein Trading?
Confirmation Bias hält Verlierer am Leben („der dreht gleich") und lässt dich Warnsignale übersehen, die du flat sofort gesehen hättest. Er wirkt auch außerhalb des Charts: Du folgst den Stimmen, die deine Richtung rufen, und nennst es Recherche. Er fälscht das Lernen: Im Rückblick erinnerst du dich an die Treffer deiner Methode und vergisst ihre Nieten. So fühlt sich eine Strategie profitabel an, die es nie war.
5 · Was kannst du dagegen tun?
- Formuliere die Gegenthese, schriftlich, vor dem Einstieg. „Ich liege falsch, wenn …" Ein Satz. Er gibt deinem Gehirn die Erlaubnis, das Gegenteil überhaupt zu sehen.
- Frag dich: Würde ich hier einsteigen, wenn ich flat wäre? Wenn die Antwort nein ist, hältst du keinen Trade: Du hältst eine Meinung.
- Miss deine Methode an allen Trades, nicht an den erinnerten. Das geht nur mit einem Journal, das vollständig ist: auch die Tage, die du lieber vergessen würdest.
- Hol dir eine Sicht, die nichts von deiner Position weiß. Ein neutraler Blick auf denselben Markt entlarvt den Filter.
6 · Und was hat das mit Phoenix zu tun?
Die Bias-Analyse rechnet symmetrisch: mit echtem Nullpunkt, ohne künstlichen Optimismus, und sie weiß nicht, ob du long oder short bist. Sie ist der neutrale Blick, den dein Filter nicht einfärben kann. Das Journal mit Löschschutz sorgt dafür, dass deine Statistik vollständig bleibt. Die Musteranalyse liest, was dasteht, nicht, was du erinnerst. Der tägliche Regel-Check hält deine „Ich liege falsch, wenn …"-Sätze da, wo sie wirken: im Kopf, jeden Morgen, laut.
Häufige Fragen
Was ist Confirmation Bias?
Confirmation Bias heißt auf Deutsch Bestätigungsfehler. Gemeint ist die Neigung, Informationen so auszuwählen und zu gewichten, dass sie die eigene Meinung stützen. Das geschieht nicht bewusst. Es ist ein Filter, der vor der Wahrnehmung sitzt.
Wie zeigt sich der Bestätigungsfehler beim Trading?
Er schnappt zu, sobald du eine Position oder auch nur eine Meinung hast. Ab da liest du den Chart nicht mehr, du verteidigst ihn. Der Satz, der dreht gleich, ist fast immer ein Satz dieses Filters. Im Rückblick wirkt er weiter: Du erinnerst dich an die Treffer deiner Methode und vergisst ihre Nieten.
Was hilft gegen Confirmation Bias?
Schreib vor dem Einstieg einen Satz auf, der mit den Worten beginnt: Ich liege falsch, wenn. Frag dich bei offener Position, ob du hier auch einsteigen würdest, wenn du flat wärst. Miss deine Methode außerdem an allen Trades im Journal und nicht an denen, die dir einfallen.
Quellen
- Wason, P. C. (1960): On the failure to eliminate hypotheses in a conceptual task. Quarterly Journal of Experimental Psychology 12(3), 129 bis 140.
- Lord, C. G., Ross, L. und Lepper, M. R. (1979): Biased assimilation and attitude polarization. Journal of Personality and Social Psychology 37(11), 2098 bis 2109.
- Park, J., Konana, P., Gu, B., Kumar, A. und Raghunathan, R. (2013): Information valuation and confirmation bias in virtual communities: Evidence from stock message boards. Information Systems Research 24(4), 1050 bis 1067.